5. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie (DGBT)

„Es gibt mehr als eine Wahrheit.“

(Frankfurt, im März 2012 – dgbt) Patienten standen hierzulande lange ästhetischen Maßnahmen eher skeptisch gegenüber, der Wunsch nach Sicherheit und Seriosität einer Behandlung ist besonders ausgeprägt. Das Ausbildungsangebot und das Bemühen um Qualitätssicherung der DGBT kommen diesem Wunsch von Patienten und Therapeuten entgegen. So konnte auch die nun mehr Fünfte Jahrestagung der DGBT in Frankfurt /Main am 24. und 25. Februar 2012 eine neue Rekordteilnehmerzahl verbuchen. Damit ist sie in Deutschland die größte medizinische Fachtagung zum Thema ästhetische Botuliumbehandlungen.

Inzwischen kann man sagen, dass minimal invasive ästhetische Eingriffe und Korrekturen auch in Deutschland in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen sind. Das zeigt sich zum einen an steigenden Mitgliederzahlen der DGBT, die seit dem Vorjahr nochmals deutlich zugenommen hat und nun bei knapp 750 liegt, sowie steigender Nachfrage nach den Behandlungen.

Eine immer aktiver älter werdende Gesellschaft, die länger im Berufsleben und der Öffentlichkeit steht, geht anders mit den störenden Folgen des Älterwerdens um. Ziel ist nicht das Ewig-Jung-bleiben-wollen, sondern das Wohlfühlen in der eigenen Haut. Beim Blick in den Spiegel möchte man sich Wohlfühlen und mit dem Spiegelbild identifizieren können.

„Man darf aber nichts sehen“ so zitiert Dr. Boris Sommer, (Frankfurt), Erster Vorsitzender der DGBT, die typische Patientin in seiner täglichen Praxis, die zwar den Wunsch nach einem frischeren, verschönten Aussehen, nicht aber nach radikalen Veränderungen hat.

Hier haben minimal-invasive Verfahren wie Botulinum-Injektionen und Fillerbehandlungen ihre Domäne und verdrängen invasivere Eingriffe wie Liftingverfahren: Botulinumbehandlungen sind weltweit der am häufigste durchgeführte ästhetische Eingriff, Fillerbehandlungen sind mit kontinuierlich steigende Zahlen deutlich am Aufholen.
Diese beiden Themenschwerpunkte bildeten daher den Rahmen von Plenumsvortragsveranstaltungen und anschließenden Workshops der diesjährigen Tagung.

Nach dem jährlichen Treffen der DGBT-Referenten, in dessen Mittelpunkt vor allem die Aktualisierung der standardisierten DGBT-Kursunterlagen stand, drehte sich am Freitagnachmittag mal wieder alles um das derzeit wahrscheinlich vielseitigste und vielversprechendste Medikament Botulinum:

Dieses ist inzwischen auch in Deutschland für sehr spezielle Formen der Migräne (chronische Migräne) sowie bei neurogenen Blasenstörungen zugelassen, wie Professor Wolfgang Jost (Wiesbaden) aus Sicht des Neurologen berichtete. Beeindruckend sind nach wie vor die verbesserten Lebensbedingungen von Patienten mit spastischen Muskelstörungen wie Schiefhals oder Schreibkrampf. Durch kontrollierte Ultraschallgesteuerte Injektionen in den Zielmuskeln können heutzutage deutlich bessere Behandlungserfolge erzielt werden.

Aktuelle Therapieschemen und Dosisempfehlungen für ästhetische Botulinum-Behandlungen im Sinne des „State of the art“ war Inhalt des zweiten Themen-blocks. Dr. Boris Sommer (Frankfurt) zeigte in einem „historischen Rückblick“ den Erkenntnisgewinn zum Thema ästhetische Botulinum-Injektionen seit den Anfängen Ende der 80er Jahre in Form von ersten Workshops, Publikationen und Lehrbüchern sowie Konsensus-Meetings. Wie aufwändig das Finden eines gemeinsamen Konsensus ist, stellte Dr. Wolfgang Philipp-Dormston (Köln) dar. Gemeinsam mit Dr. Klaus Hoffmann(Bochum) und Dr. Said Hilton (Düsseldorf) wurden dabei erste Empfehlungen eines Konsensus – Experten- Treffens aus dem Juli 2011 vorgestellt. Für die Zukunft wird das Zusammenführen der verschiedenen Konsensus Panels eine große Herausforderung darstellen, wobei sich die Behandlungsempfehlungen immer mehr einem Standard nähern und leitlinienfähig sind. Hier hofft die DGBT eine mögliche Plattform anbieten zu können.

Dr. Falk Bechara (Bochum) gab in seinem Übersichtsreferat aus Sicht eines der führenden Experten zu diesem Thema neueste Therapieempfehlungen zur Hyperhidrosebehandlung; Botulinum spielt hier sowohl als primäre Medikation als auch zur Beherrschung von reaktivem Schwitzen als Nebenwirkung nach Sympathektomie ein große Rolle.

Durch die Vorträge von PD Dr. Maurizio Podda (Darmstadt), Dr. Welf Prager (Hamburg) und Dr. Sabine Stangl (Hamburg) wurde den Zuhörern aktuelle Studienergebnisse zu Dosisäquivalenzen, Wirksamkeit und Sicherheit mitgeteilt.

Hier sowie in der anschließenden Paneldiskussion zwischen führenden Mitarbeitern der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung der Firmen Allergan, Galderma und Merz ergab sich folgendes Bild:

Alle drei in Deutschland zugelassenen Botulinumpräparate sind sicher und effektiv. Da sie sich allerdings als biologische Produkte in ihrem Verhalten unterscheiden, sind in der Anwendung Unterschiede zu beachten. Hier fehlen in einigen Aspekten noch endgültige Aussagen zum „Feintuning“. Zum Teil spielen diese Unterschiede aufgrund der großen therapeutischen Breite eher eine akademische Rolle und es stellt sich die Frage der klinischen Relevanz für den Anwender.

Die lange geführte Diskussion zu eventueller präparate-abhängiger Diffusion oder Antikörperbildung verliert in der Ästhetik zunehmend an Bedeutung, da diese klinisch keine Relevanz haben.

Dies drückte sich auch im Ergebnis einer während der Session im Plenum durchgeführten TED-Befragung ab, an der insgesamt 220 Kongressteilnehmer teilnahmen:

Das Interesse der Anwender an noch weiteren Studien zu Präparate Unterschieden ist mit 27% deutlich geringer als das Interesse und der Wunsch, Studiendaten zu neuen Indikationen oder Daten wie Patientenzufriedenheit zu erhalten.

Interessant waren auch die weiteren Ergebnisse der TED- Umfrage:

Mehr als 50% der Teilnehmer führen jährlich 50 und mehr Botulinumbehandlungen durch und gehören damit zu den regelmäßigen Anwendern, 34% führen sogar mehr als 100 Behandlungen pro Jahr durch.

Dabei ist erwartungsgemäß die Glabella das am häufigsten behandelte Areal, fast ebenso häufig wird aber auch die laterale Augenregion (Krähenfüße ) behandelt. Nur ca. ein Drittel der Befragten führt regelmäßig Behandlungen des unteren Gesichstdrittels durch, die als schwieriger gelten.

Mehr als 90% setzen aber Kombinationsbehandlungen mit Fillern ein und entsprechen so den modernen Behandlungsrichtlinien.

Filler- und Kombinationstherapien waren dann auch das Thema der Plenumsitzung am Samstagmorgen.

In der Session „My best options“ stellten erfahrene Therapeuten ihre favorisierten Kombinationsbehandlungen, die natürlich neben Botulinum und Fillern auch Maßnahmen zur Behandlung der Oberfläche wie Laser oder Peeling umfassten, vor. Dr. Klaus Hoffmann (Bochum) wies auf die Möglichkeit zur Förderung des Wimpernwachstums mit dem Wirkstoff Bimatoprost hin. Mit einem interessanten Algorythmus „Was passt zu welchem Patienten“ zeigte Dr. Tanja Fischer (Potsdam) Möglichkeiten, sowohl aus ärztlicher als auch finanzieller Sicht die besten Behandlungsoptionen zu finden. Durch seine Empfehlungen, welche Behandlungen für welche Region optimal geeignet sind, wurde dieser Vortrag sehr schön durch den Beitrag von Dr. Michael Weidmann (Augsburg) ergänzt. Abschließend gab Dr. Matthias Imhoff (Bad Soden) eine umfassende Übersicht über Möglichkeiten der Botulinumtherapie im oberen Gesichtsdrittel.

In seinem Gastvortrag „Menopause- a facial aesthetic approach“ stellte Dr. Massimo Signorini die spezifischen Veränderungen der Haut nach der Menopause vor und betonte die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer frühen und kontinuierlichen Behandlung.

Diese Empfehlung wurde auch in der anschließenden Volumen Special Runde aufgegriffen: In einem in dieser Form neuen Expertendialog stellten Dr. Gerhard Sattler (Darmstadt) und Dr. Boris Sommer (Frankfurt) gemeinsam ihre Erfahrungen mit Füllmaterialien zur Volumentherapie mit Hyaluronsäure-Fillern dar. Dabei zeigt sich zum einen ein deutlich verjüngernder Aspekt bei Patienten, die regelmäßig, aber in eher kleinen Mengen eine Volumentherapie mit Fillern erhielten. Immer deutlicher wird ein weit über das akute Behandlunsergebnis hinausgehender Verbesserungseffekt an der Haut und im Gesamteindruck: Patienten sehen nach 5 Jahren regelmäßiger Behandlung deutlich besser aus als zu Behandlungsbeginn, sie haben zehn Jahre „gewonnen“. Und der Effekt hält auch dann noch über Monate an, wenn nicht mehr behandelt wird . Dem Wunsch nach natürlichen Aussehen kommt die von Dr. Sommer entwickelte segmentale Lippen- Injektionstechnik entgegen; hier werden Lippen harmonisch verschönt und nicht „Schlauchboot- deformiert“. Dr. Sattler empfiehlt, generell eher von „Beautification“ (Verschönerung) als Rejuvenation (Verjüngung) zu sprechen. Er zeigte beeindruckende Behandlungsergebnisse durch Volumengabe an „tragenden“ Bändern und Haltestrukturen; die Beachtung der anatomischen Strukturen macht nicht nur ein Füllen, sondern auch Liften möglich; die enormen Möglichkeiten der von ihm entwickelten Towertechnik wurden demonstriert.

Injektionstechniken und Kanülen waren auch das Thema der Vorträge von Pro-fessor Alina Fratila (Bonn) und Dr. Welf Prager (Hamburg). Hier zeigt sich die Bedeutung des Untertitels der Tagung: „Es gibt mehr als eine Wahrheit“: Jeder Therapeut muss durch Erlernen verschiedener Methoden entscheiden, mit wel-cher Injektionstechnik er die besten Resultate erzielt.

Das gilt auch für die Handaugmentation, die von Dr. Thorsten Walker (Ludwigshafen) vorgestellt wurde und zunehmend an Bedeutung gewinnt, denn: die Hände verraten das wahre Alter. Neben Hyaluronsäuren werden hier auch durch Einsatz von Calciumhydroxylapatit gute langanhalten Ergebnisse erzielt.

Unter den Kollegen, die versuchen, ästhetische Maßnahmen seriös und sicher anzubieten, besteht ein großer Bedarf an Updates zu juristischen Fragestellun-gen. Während Herr RA Ralf Ehrmann auf mögliche Fallstricke beim Kauf von medizinischen Gerätschaften aufmerksam machte, stellte die Justitiarin der DGBT Fr Dr Gwendolyn Gemke die neuesten rechtlichen Aspekte zu Werberecht, Rabatt auf ärztliche Leistungen und Bewertungssportalen vor, die in Zeiten des Internets zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Am Nachmittag konnten die Teilnehmer wieder in drei Workshop-Blöcken zwi-schen insgesamt 22 Workshops wählen, in denen in kleinen Gruppen die Möglichkeit geboten wurde, anhand praktischer Fallbeispiele und/oder in kleinem Gesprächskreisen Experteninformation zu Themen wie Botulinum -Update oder Volumenverfahren zu erhalten. Eindeutig standen Filler- und Volumentherapiethemen hier im Mittelpunkt, spannende Ergänzungen waren Workshops zu Hautstraffung und Oberflächenbehandlung mit Radiofrequenz oder Photorejuvenation.

Insgesamt freuten sich Teilnehmer und Veranstalter über eine wieder rundum gelungene, konzentrierte und aktuelle Veranstaltung, bei der aber auch in per-sönlichen Gesprächen und bei der traditionellen After-Work-party am Freitagabend auch das kollegiale und familiäre Miteinander nicht zu kurz kam.

Aufgrund Beschluss des Vorstandes und unter Zustimmung der Mitgliederversammlung wird die nächste DGBT Tagung erst in zwei Jahren im Februar 2014 stattfinden; die DGBT möchte so den Kongreßkalender „entspannen“ und möglichst viele neue Themen sammeln, um wie bisher ein spannendes Programm zusammen zu stellen.

Haftung

Die DGBT e.V. haftet nicht für Verluste, Unfälle oder Schäden an Personen und Sachen, gleich welchen Ursprungs. Mündliche Nebenabsprachen sind unverbindlich, sofern sie nicht schriftlich bestätigt werden. Vorbehaltlich Änderungen.